Presseberichte über Jockels Reisen


Berliner Morgenpost 21.06.2008


Einhand-Weltumsegelung gescheitert - Berliner Segler vor Kapverden gestrandet

9.11.2001 - www.yacht.de 

Der Versuch des Berliner Seglers Jörg Lehmann, die Erde als zweiter Deutscher nach Wilfried Erdmann einhand nonstop zu umsegeln, ist in einem Seenotfall geendet. Seine Yacht "Kreuz-As" strandete vor der Insel Sao Vincente, nachdem Treibgut Ruder und auch Motor blockiert hatte.

Steuerungslos wurde die von ihm selbst gebaute Aluminiumyacht auf den steinigen Strand gewaschen, von wo der Skipper noch einen Mayday-Ruf absetzen konnte. Auf den Notruf meldete sich ein russisches Kreuzfahrtschiff, das die Abbergung des Seglers anbot, aber nichts für sein Schiff tun konnte. Lehmann lehnte dankend ab und versuchte, mithilfe von Fischern sein Schiff zu retten, was zunächst einmal am nächsten Tag auch gelang.

Die schwer beschädigte Yacht wurde nach Mindelo geschleppt, wo sie gekrant und aufgebockt wurde. Dort wartet der Berliner jetzt auf einen Sachverständigen seines Versicherers, der klären soll, ob die Yacht ein Totalverlust ist oder nicht. Da es nach Angaben der Segelfreunde Lehmanns aus Berlin offenbar schwierig ist, auf den Kapverden die Reparatur des Alu-Schiffes zu organisieren, besteht aber wenig Hoffnung, das Schiff zu retten.

Jörg Lehmann fürchtet, dass die "Kreuz-As" in den nächsten Tagen geplündert werden könnte, und versucht, wenigstens Teile seiner Ausrüstung per Fracht nach Deutschland zurückzuschicken. Die Nonstop-Weltumsegelung war allerdings schon im Vorfeld der Strandung beendet, da Lehmann - schon auf dem Weg zum Kap der Guten Hoffnung - wegen eines defekten Kochers umdrehen musste.

Weitere Infos auf Lehmanns Homepage unter www.kreuz-as-segeln.de.


8.11.01 - gestrandet jenseits von Afrika

Quelle. Homepage Bobby Schenk www.yacht.de/schenk 

Niemand, wenn er es selbst noch nicht erlebt hat, kann nachvollziehen, was es bedeutet, sein Schiff zu verlieren. Jörg - "Jockel" - Lehmann aus Berlin, der mich an der Beiboot-Jetty anspricht, ist der Schrecken  - und die Trauer - um den möglichen Verlust ins Gesicht geschrieben. Das Schlimme aber auch ist die Ungewissheit, ob seine 9 Meter 30 Alu-Yacht noch gerettet werden kann, oder ob sie mit der Versicherung als Totalverlust abgeschrieben werden muss. Die Situation Lehmanns ist in jeder Hinsicht desolat. Nicht nur, dass sein Schiff, das er in 10-jähriger Arbeit selbst gebaut hat, fast ein Raub der Brandung geworden ist, jetzt ist es zusätzlich noch Objekt der habgierigen "Geschäftsleute" hier in Mindelo, die besonders leichte Beute wittern.

Was war geschehen? Jörg wollte sich mit dem Selbstbau seiner Yacht nicht nur einen Lebenstraum erfüllen, nein, er wollte auch sonst gleich hoch hinaus. Um die Welt sollte es gehen, und zwar, als sei dies das leichteste, gleich nonstop um die Welt. Klar, jeder scheint heute nonstop um die Welt zu segeln: Querschnittsgelähmte, Erdmann sowieso, kleine Mädchen wie die Ellen McArthur und so fort. Das Unternehmen KREUZ-AS-ALU, so heißt das Schiff von Lehmann ließ sich dann eigentlich gut an. Nach rund 70 Tagen hatte Lehmann schon den Äquator überquert, als ihn sein Kocher im Stich ließ. "Für alles hatte ich Redundanz, aber an so was denkste doch nicht" gab sich Lehmann zerknirscht. Damit war das Unternehmen beendet, denn, man stelle sich das mal plastisch vor, nahezu ein Jahr ohne warmes Essen, ohne heißen Tee (wie Jörg besonders bedauert), das hält wohl niemand aus ohne ernsthafte Gesundheitsschaden zu nehmen.

Also zurück, den Äquator nochmals gequert. Am vergangenen Samstag schlug das Schicksal dann zu. Eine Meile von der Capverdischen Insel Santa Antao entfernt, wollte Lehmann gegen 20 Uhr 30 über Stag gehen, startete zur Unterstützung des Manövers die Maschine, in deren Schraube sich ein Tampen derart unglücklich verfing, dass Schraube und Ruder aneinander gefesselt wurden. Das Schiff strandete. Erst eine Serie von roten Signalraketen wurden vom Passagierschiff MAXIM GORKI ausgemacht, die die Rettung einleitete. Was dann kam, kann man sich vorstellen, wenn man die Gegend hier gesehen hat. Lehmann wurde von Fischern abgeborgen, seine Yacht, die Wasser machte nach Mindelo geschleppt, nicht ohne dass sie vorher um einige Wertsachen erleichtert wurde.

Die Fischer verlangen 2000 Dollar für die Bergung, die Werft, weitere, fast lachhaft hohe Beträge, der Wachmann, der jetzt unter dem Schiff schläft, muss auch gelöhnt werden und so fort. Das Schlimmste, ob die Yacht repariert werden kann, ist ungewiss. Denn das notwendige hochwertige Aluminium ist hier nicht erhältlich. Weitersegeln ist zur Zeit nicht möglich, denn irgendwo an den über Meter hinweg verbeulten Spanten dringt Wasser ins Schiff und das Ruder ist unbrauchbar verbogen. Lehmann spricht weder portugiesisch noch englisch, scheitert, wie er sagt, immer wieder an der Sprachbarriere. 


11.10.2001 - Yacht

Auf Erdmanns Spuren
Berliner Segler kommt bei Nonstop-Einhand-Weltumsegelung gut voran

Der Äquator ist geschafft: Rund eineinhalb Monate nach dem Start in Cuxhaven ist der Segler Jörg Lehmann bei seinem Versuch, die Erde als zweiter Deutscher einhand und nonstop zu umsegeln, weiter auf Kurs, um in Wilfried Erdmanns Fußstapfen zu treten.

Mit seinem selbstgebauten Neun-Meter-Aluschiff kommt der 60-Jährige gut voran und ist, wie man den regelmäßigen Mails von Bord zu entnehmen kann, bester Dinge: "Ich glaube, ich hab den Südost-Passat. Aber im Ernst, das ist Segeln puuur, die Inkarnation. Dazu Ravels Bolero über die Stereoanlage. Die Stimmung an Bord ist super. Der Generator lädt, Sonne, Segel, hoch am Wind gen Süd. Meine Freunde, ich wünschte euch alle zu mir an Bord. Das wär ein Ding. Ein Paaaaar Bier müsstet ihr allerdings mitbringen. WWWWhhhhaaaaaaaauuuuu!!!!!"

Zwar gab es bislang auch schon eine ganze Reihe technischer Probleme und Problemchen, vom Fischernetz in der Selbststeueranlage über leckende Dieseltanks bis hin zum gebrochenen Backstagsbeschlag, doch bis jetzt hat der Selbstbauer noch alles im Griff. Und in einem 10-Beaufort-Sturm hat er mittlerweile die erste Feuerprobe für sich und sein Schiff bestanden.

Die sehr lesenswerten und regelmäßigen Logbucheinträge sind auf der Homepage www.kreuz-as-segeln.de  zu finden.


22.8.2001 Yacht

Vor der Abfahrt ging’s noch mal um die Wurst
Der letzte Abend an Land von Nonstop-Weltumsegler in spe Jörg Lehmann: ein Grill-Abschied in Hamburg

Besonnnen ist er. Ruhig, aber nicht introvertiert. Aber auch etwas rastlos, weil auf dem Sprung. Los möchte er endlich. Aber vorher gibt’s noch eine Ladung Grillfleisch für den sehnigen Maschinenbau-Ingenieur. Weil seine Freunde meinen, er sei während der zweijährigen Vorbereitung auf seinen Nonstop-Törn bereits etwas abgemagert.

"Kannst mir ja noch mal untert Hemde fassen", lädt "Jockel" Lehmann berlinernd eine Bekannte ein, seinen Bauchumfang zu checken. Der Schalk wird ebenfalls mit Lehmann um den Globus segeln und ihn vermutlich nicht verlassen. Seit dem ersten Büchsenlicht heute Morgen ist Lehmann bereits auf der Unterelbe unterwegs. In Cuxhaven wird er seine Überführungshelfer an Land setzen. Ab dann geht’s alleine weiter. Auf dem Wasserweg von der Haupt- zur Hansestadt stellte er mithilfe zweier Spinnakerbäume gestern das Rigg seiner Alu-Slup "Kreuz As" - nach der letzten Brücke, die zwischen Berlin und dem Ozean liegt. Ohne Mastenkran, "wie et sich jehört".

Zwar wird der Berliner bestens vorbereitet auf die Reise gehen (seine bereits hochseeerfahrene Yacht baute er für den Törn aufwändig um). Aber Rekorde brechen, die Zeit der ersten Nonstop-Umsegelung 1985 von Wilfried Erdmann (271 Tage) unterbieten, will er nicht. "Das ist ein Gerücht. Ich segle keine Regatta. Das ist zu teuer. Dafür hätte ich die 'Kingfisher' chartern müssen." Heil wieder ankommen, das sei Sieg genug, so Lehmann, der unterwegs nur per Kurzwelle kommunizieren will.

Ein Eigenbrödler jedoch ist er gewiss nicht: Die Fortschritte seiner Reise können im Internet unter www.kreuz-as-segeln.de verfolgt werden. Über ein Pactor-Modem kann Lehmann auch über E-Mail Kontakt aufnehmen.


23.08.2001 per Mail
Jockel hat vorgestern Abend Hamburg passiert. Ein kurzer Stop beim Mühlenberger SC mit Grillen auf der Terrasse; ein kurzes Interview mit der Yacht; Diesel nachgebunkert. Dann ging es wegen des Ebb.-Stromes um 22.15 Uhr Richtung Wedel/Cuxhaven weiter. Die Nacht haben sie hinter dem Pagensand geankert und sind dann mit der frischen Ebbe um 6.00 Uhr am 22.08.01 Richtung Cuxhaven los. Dort ca. 12.00 Uhr angekommen. 
Heute morgen steigen Micha, Egon und Uwe aus und fahren nach Berlin zurück.

Viele liebe Grüsse aus Hamburg ... besonders an Gerhard V. mit den besten Genesungswünschen.

Gruß Piwi  " Jockel Fan Club  Abt. Hamburg "


22.08.2001
E-Mail von Jockel vom Schiff aus Cuxhaven, Verbindungsaufnahme manchmal schwierig, aber funktioniert.
Ich schicke Jockel die ersten 20 Einträge seines Internet-Gästebuches und leite 15 Mails weiter.
Der Counter auf www.kreuz-as-segeln.de überschlägt sich fast - 800 Zugriffe in 4 Tagen, mehr als die WSV 1921 - Seite in einem Jahr !!

Casi


20.8.2001 Yacht

Von Erdmann zu Lehmann
Berliner Seesegler will Globus nonstop und einhand umrunden

Nur wenige Deutsche haben versucht, die Erde nonstop zu umrunden. Nur einer hat es bisher geschafft: Der ruhige Mann aus Goltoft, Wilfried Erdmann, segelte vor 16 Jahren auf der "Magischen Route" durch den Südozean um den Globus. Seine Zeit von 271 Tagen konnte noch niemand unterbieten, denn allen Versuche, die Nonstop-Fahrt zu absolvieren, scheiterten (Gerd Engel mit seinem Kat war der Letzte, der abdrehen musste, kaum dass er die hohen Breiten erreicht hatte). Das könnte sich jetzt ändern:

Jörg Lehmann, 59 Jahre, will morgen auf der Elbe die Leinen lösen und sie erst eine Erdumrundung später wieder festmachen. Der Berliner aus der ehemaligen DDR hat seine 9,35 Meter lange "Kreuz As" selbst gebaut. Und er hat als Vorsitzender auch bei der Rangelei um die Rücküberführung von Berliner Vereinseigentum kräftig mitgemischt. Lehmann steht mit beiden Beinen auf dem Boden - Voraussetzung für Nonstop-Piloten, die monatelange Strapazen aushalten müssen.

Vor vier Jahren ist er mit "Kreuz As" bereits bis nach Grönland gesegelt. Besser gesagt fast. Denn die Packeisgrenze lag ungewöhnlich weit südlich. Lehmanns größte Sorge: Nur nicht wieder scheitern und abdrehen müssen. Morgen werden Jörg Lehmann und "Kreuz As" auf Kanälen von Berlin aus die Unterelbe erreichen. In Wedel wird der Seemann vermutlich das Rigg stellen und dann auf den großen Törn gehen. Großen Rummel um seine Person mag er nicht.


20.8.2001 - Regionale Informationen für Treptow-Köpenick, Oder-Spree und Dahme-Spreewald (Südost)

Von Karolinenhof nach Feuerland und zurück

Jörg Lehmann will in 270 Tagen um die Welt segeln
Von Hajo Obuchoff

Noch tuckert die «Kreuz-As alu» von ihrem 15-PS-Hilfsmotor angetrieben über den Mittellandkanal. «Westlich von Wolfsburg geht es dann in den Elbe-Seiten-Kanal Richtung Hamburg», erzählt Jörg Lehmann über sein Handy. Der 59-jährige Berliner hatte vorgestern um 10.43 Uhr vom Anlegesteg seines Wassersportvereins 1921 in Karolinenhof abgelegt, um in 270 Tagen einmal um die Erde zu segeln.

«Das war ein bewegender Abschied, das hatte ich nie erwartet», kommentiert der erfahrene Seebär die Zeremonie, die ihm seine Sportkameraden und Dutzende Berliner am Sonnabend geboten hatten. «Das war Wahnsinn.» Trotz wolkenbruchartigen Regens begleiteten über fünfzig Boote unter einem Feuerwerk von Böllern und Raketen den Abenteurer bis zur Langen Brücke in Köpenick. Dort verließen seine Frau Monika und Tochter Anett mit dem Enkelkind Klara das Boot. Nur Lehmanns langjährige Segelgefährten Gerhard Gaerisch, Uwe Lange und Michael Brock blieben an Bord. «Sie unterstützen mich bis Cuxhaven», sagt Lehmann.»

Bisher verlief die Reise ohne größere Probleme. Die Schleuse bei Wusterwitz in den Elbe-Havel-Kanal bildete kein Hindernis. Dann ging es bis nach Parey, dort auf die Elbe. «Aber der direkte Weg elbabwärts ist versperrt. Nur 1,54 Meter Tauchtiefe sind gemeldet worden», berichtet Jörg Lehmann. Das Boot benötigt aber eine Mindesttiefe von 1,70 Metern. «Der Umweg über den Elbe-Seiten-Kanal kostet uns einen Tag», bedauert der Weltumsegler.

Aber so hat er auch einen Tag länger Begleiter an Bord. «Sie helfen mir in Hamburg noch den Mast aufzustellen, denn danach stört keine Brücke mehr», sagt Lehman. Aber von Cuxhaven an ist er dann allein mit sich und seinem Boot. Seine Welt schrumpft plötzlich auf eine Länge von 9,35 Metern und maximal 3,20 Meter Breite. Alles andere ist Meer.

«Ich kann mich ganz gut selbst motivieren», versichert der Weltumsegler. «Ich habe das auf einer neunwöchigen Fahrt nach Grönland und zurück bereits getestet.» Indes, ob es über neun Monate funktioniert, weiß der Maschinenbauingenieur im Vorruhestand auch nicht. «Es ist ein Experiment. Aber ich bin kein Hasardeur, alles ist gut geplant, und wenn es keinen anderen Weg gibt, gehe ich auch vorzeitig an Land», gibt der bärtige Berliner zu.

In der Tat erwarten zahlreiche Unwägbarkeiten den mutigen Mann. Stressiger Schiffsverkehr im Kanal zwischen England und Frankreich - «drei Tage werde ich dort nicht schlafen können» - oder die Wetter- und Windturbulenzen an den fünf Kaps, die das Schiff bewältigen muss. «Nach jedem bezwungenen Kap öffne ich eine Flasche Sekt», verspricht Lehmann. Aber auch vor Krankheiten oder Schäden am Schiff sei niemand gefeit, weiß der Segler. Und so hofft er auf eine gehörige Portion Glück.



20.08.2001 - Berliner Zeitung - KÖPENICK

Zu Weihnachten will er E-Mails schreiben

Am Sonnabend startete Jörg Lehmann zu einem Abenteuer: In 270 Tagen will er die Welt umsegeln
Marcel Gäding

Beim Abschied kamen ihm doch die Tränen: Mehr als 200 Leute sind am Sonnabend gekommen, um Jörg Lehmann Glück, gutes Wetter und - wie es sich für Segler gehört - "eine Handbreit Wasser unterm Kiel" zu wünschen. Köpenicks Bürgermeister Klaus Ulbricht (SPD) war da, die Familie, enge Freunde und Mitglieder anderer Sportvereine. Sie haben Blumen mitgebracht, Konfekt und Likör. Fast jeden nimmt Jockel, wie ihn die Mitglieder vom "Wassersportverein 1921 e.V." nennen, in den Arm, bevor er an Bord seiner "Kreuz As" geht und in See sticht. 270 Tage wird der Mann mit der Brille und dem grauen Bart unterwegs sein, um mit seinem Einmaster die Welt nonstop zu umsegeln. "Wir werden in Gedanken bei dir sein", rufen ihm die Freunde zu. Gegen 10.30 Uhr läuft die "Kreuz As" aus - begleitet von Raketen, Böllern und Leuchtkugeln.

Zwei Jahre lang hat sich der frühere Maschinenbau-Ingenieur darauf vorbereitet, sich seinen Traum zu erfüllen. Er will einen neuen Rekord aufstellen, will den Rekord des Engländers Robin Knox-Jonsten schlagen, der in den 60er-Jahren 312 Tage für eine Weltumsegelung benötigte. Lehmann plant 42 Tage weniger ein. Dafür hat er seine Route - rund 55 000 Kilometer - genauestens berechnet. Lediglich Stürme könnten seinem Unternehmen ein Ende bereiten, sagt er. "Ansonsten ist es dort, wo ich langkomme, gerade Sommer oder Frühjahr." Das sei eine Voraussetzung dafür, das Risiko eines Schiffsbruchs zu minimieren. Und den Rekord mit dem Neun-Meter-Boot auch wirklich zu schaffen.

Eine Tonne Lebensmittel

An Bord seiner "Kreuz As" hat der Pankower nicht nur Lebensmittel und Wasservorräte gebunkert, sondern auch einen Laptop aufgestellt. Auch ein Verbandskoffer mit Wundsalben, Aspirin und Pflaster ist dabei. Und weil man nie weiß, was einem allein auf hoher See so alles zustoßen kann, hat Lehmann auch Nadel und Faden dabei. "Falls es mich mal ganz schlimm mit einer Fleischwunde erwischt", sagt er.

Nach Knox-Jonsten und vor Lehmann versuchten sich bereits andere an einem neuen Rekord. Und scheiterten. Lehmann will aus ihren Fehlern lernen. Von Segler Wilfried Erdmann aus Hamburg zum Beispiel. Zwar war Erdmann nach der Erdumseglung wieder heil im Heimathafen gelandet - allerdings völlig entkräftet und ausgezehrt. Er hatte den Rekord nicht geschafft, weil er zu wenig Vorräte gebunkert hatte. Lehmann will nicht hungern. Sein Boot Marke Eigenbau ist voll mit Konservendosen, insgesamt hat er eine Tonne Lebensmittel an Bord. Außerdem ist seine Zeit fest kalkuliert: Anhalten für Sightseeing wird er nicht. "Es ist eine sportliche Herausforderung", sagt Lehmann. Ihm gehe es nicht darum, Länder zu erkunden.

Seine Wäsche wird er im Meer waschen. "Die hänge ich zwei Stunden lang an Seile, ziehe sie hinter mir her", sagt Lehmann. Danach sei alles sauber. Dass er allein segelt, hat ganz einfache Gründe. Seine Kameraden Michael Brock, Gerhard Gaerisch und Uwe Lange können sich aus beruflichen Gründen keine Auszeit nehmen. Weil sie Lehmann aber auf ihre Weise verabschieden wollten, begleiteten sie ihn auf dem Boot bis Hamburg.

Bei den passionierten Köpenicker Wassersportlern - sie eskortieren Lehmann mit mehreren Booten bis zur Langen Brücke - erntet der 59-Jährige Respekt. "Sicher ist es ein Traum vieler, die Welt zu umsegeln", sagt Karin Baumgart. Doch am Ende sei man schlichtweg zu feige, so etwas zu machen. "Irgendwie würde ich mich allein auch langweilen."

Langeweile will Lehmann gar nicht erst aufkommen lassen. Wenn sein elektronisches Steuersystem Kurs hält, kann er Musik hören, Bücher lesen oder seine Routen über seinen Internetanschluss an Bord nach Hause übertragen. Über eine eigens eingerichtete Homepage kann jeder die Fahrt mitverfolgen. Über das weltweite Datennetz hält Lehmann auch Kontakt zu seiner Familie. "Weihnachten können wir uns so E-Mails schreiben", sagt er. Und worauf freut sich Lehmann am meisten? Er sagt: "Darauf, dass ich gesund und heil wiederkomme."

Informationen zur Tour im Internet: www.kreuz-as-segeln.de 


19.8.2001

Berliner Zeitung

Meister der Meere

Gelingt Jörg Lehmanns Vorhaben, darf er seinen Namen einer Reihe großer Seemänner hinzufügen, die vor ihm die Welt umsegelten. Da ist etwa Sir Francis Drake (1539 - 1596), den seine Leidenschaft für Piraterie und Sklavenhandel rund um den Globus führte. Erstmals war dies dem Portugiesen Fernando Magellan (1480 - 1521) gelungen, der bei der Gelegenheit die Kugelgestalt der Erde bewies. In neuerer Zeit war es Sir Francis Chichester (1901 - 1972), der innerhalb von zehn Monaten als Einhand-Segler von Plymouth aus die Tour der Weltmeere absolvierte. Zur Belohnung erhielt er den Adelstitel. Der erste Deutsche, der einhand und ohne Unterbrechung die Erde umsegelte, war Wilfried Erdmann. Nach 605 Tagen kehrte er im Mai 1968 von seiner Reise zurück. Experten glaubten dem damals 27-Jährigen zunächst nicht, doch als die Wasserschutzpolizei Cuxhaven Muscheln und Algen am Schiffbug sicherstellte, gab es keinen Zweifel mehr. Zweimal umsegelte danach Rollo Gebhard die Erde. pag

In 270 Tagen um die Welt - Rentner Jörg Lehmann brach auf, um im Boot die Erde zu umrunden

Von Patrick Goldstein

An diesem Sonnabendmorgen beginnt und endet die Welt in Schmöckwitz. Als Jörg Lehmann ablegt, um an Bord seines Segelbootes «Kreuz As» den Globus zu umrunden, liegen 55 600 Kilometer Wegstrecke und neun Monate Einsamkeit vor ihm. Gelingt die gefährliche Alleinfahrt, wird seine Familie in 270 Tagen dort wieder am Ufer des Langen Sees stehen, winkend, weinend, und die größte Mutprobe dieses erwachsenen, großen Jungen hat einen glücklichen Ausgang gefunden. Wenn alles gut geht.

Die erste Herausforderung seiner Welttour erlebt der 59-jährige noch bevor er den festen Boden unter den Füßen verlässt. So, wie sein Wetter gegerbtes Gesicht dreinschaut, ist sie ihm weit unliebsamer als etwa ein gehöriger Atlantiksturm oder kräftiger Wellengang.

Was Herrn Lehmann stört, ist der Trubel. Die vielen Hände, die es vor der Anlegestelle des Wassersportvereins 1921 zu schütteln gilt. Die gut gemeinten Ratschläge derer, die zurückbleiben, der Vereinskameraden in Lehmanns Alter, die nicht so sehnig, so dynamisch wirken, die nicht wieselflink durch die Reihen der Gäste huschen, hier einen Scherz machen, dort das soundsovielte Geschenk entgegen nehmen. «Macht nicht so einen Wirbel» ruft er ihnen zu, «ich muss los».

Na klar. Lauftraining und Sport sind absolviert, eine Tonne Lebensmittel verstaut, nun will Lehmann zeigen, es sich beweisen, dass ein Bezwinger der Weltmeere in ihm steckt. Bloß nicht wieder scheitern wie 1997, als er auf Seereise vor Grönlands Eis kapitulieren musste.

Das 9,40-Meter-Boot und der Einhandsegler. Da hat der allein fahrende Skipper nur eine Hand für seine Sicherung, zu der auf den Ozeanen zusätzlich ein Tau am Leib dient. Die andere braucht er für die unablässige Arbeit im Boot. «Langeweile? Nee, ich hab´ ständig zu tun.» Wie sein Berlinern, übersetzt in Seemannsprache, wohl beim internationalen Funkkontakt an Englands Küste, am Kap der Guten Hoffnung, am Rand der Antarktis ankommen wird? Worte werden die einzige Verbindung zu Menschen bleiben, denn neun Monate lang will er nicht anlegen.

Auf dem Steg steckt einer der rund hundert Abschiedsgäste dem Maschinenbauingenieur Lehmann eine Musikkassette zu. Erzgebirgische Volksmusik. Ob das die «Pik-As» (Kreuz As ist natürlich gemeint; Casi) aushält, fragt Lehmann nicht. Statt dessen bedankt er sich, gelobt, das Band zu Weihnachten einzulegen, gesteht aber, auf hoher See zur Entspannung Klassik zu hören. «Den Bolero find´ ich spitze.»

Nun muss er auch noch ans Mikrofon. Das Vereinshaus im Rücken, die Freunde, Boot und Wasser vor sich, kommen ihm die Tränen. Abschied nehme er hier «von meiner Frau, meiner Tochter und meiner Enkelin. . . , die mir sehr viel bedeutet.»

Monika Lehmann, schlank, in Regenjacke und Turnschuhen, hält den Blumenstrauß ihres Mannes im Arm. Ihre rot geränderten Augen wandern Halt suchend umher und sehen doch nur den Mann, der noch mehr Hände schüttelt, der auf dem Weg zum Boot wieder und wieder angehalten wird. «Bisher sind sie alle wieder gekommen», hört sie den ungelenken Versuch eines Freundes, ihr Mut zu machen.

Was das Paar für den triumphalen Tag der Rückkehr geplant hat? Sehnsüchtig und schnell antwortet sie: «Umarmen und glücklich sein.» Ihre fast zweijährige Clara auf dem Arm steht Annett Lehmann daneben und drängt die Kleine: «Sag´ mal tschüss Opa.» Aber Clara guckt nur seelig und begreift die Dramatik des Moments nicht.

Ganz anders Klaus Ulbricht, Bürgermeister von Treptow-Köpenick, der den Abreisenden wenige Meter vor dem Boot stoppt, um alles Gute zu wünschen. Lehman beglückwünscht darauf seinerseits den Politiker laut und augenzwinkernd, hier ja wohl einen publicity-trächtigen Termin zur Selbstinszenierung gefunden zu haben. «Stimmt´s?»

Dann ist Lehmann an Bord. Endlich. Aufrecht steht er im Regen, zieht langsam davon. Eine Hand grüßt die Zurückbleibenden. Bis in neun Monaten. 
Wenn alles gut geht.


Verabschiedung aus dem Heimathafen des WSV 1921 in Berlin-Karolinenhof am 18.August 2001, 10.00 Uhr 
für Jörg Lehmann mit seinem 1/2 Tonner „Kreuz-As-Alu“ zur Weltumsegelung

Liebe Gäste, liebe WSVer,

seit Monaten wird unter Berliner Seglern geraunt: Jockel will allein um die Welt. – Ungläubige Mienen waren  meistens zu beobachten. Doch wer Jockel kennt hat daran nicht gezweifelt. Nun ist es soweit. Wir sind heute hier, um etwas für Berlin Einmaliges zu erleben.

Unser Jörg (Jockel) Lehmann wird in wenigen Tagen eine Non-Stop-Einhand-Weltumsegelung beginnen. Er hat die Latte auf die höchstmögliche Höhe gelegt, die sich ein Segler ausdenken kann.

Die Geschichte der Weltumsegelungen ist lang. Sie reicht von Magellan bis Erdmann. 

Die Reihe der Einhandsegler begann mit Josua Slocum vor etwas mehr als 100 Jahren. Des Weiteren sind bekannt 1943 Vito Dumant und 1966 Frank Chirchester, der dafür sogar geadelt wurde. Erst 1969 gelang dem Engländer Robin Knox-Jonston nach 312 Tagen die erste Non-Stop-Einhand-Weltumsegelung.

Wenn ich mir dagegen Jockels Zeitplan ansehe, dann sind für seinen Törn etwa 280 Tage vorgesehen, was einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 4 Knoten entspricht, das sind 7,4 Km/h.

Wer solche  Pläne schmiedet, hat sich langfristig darauf vorbereitet.

Das begann schon 1975 bis1977 mit dem Selbstbau des Viertel-Tonners  Hiddensee „Kreuz-As“. Damit ging es auf die Ostsee. 
Danzig, Riga und Petersburg  waren die weitesten Wendepunkte mit dieser Yacht.

Aber wie ist es mit einem Schiff, das man segelt: Es ist mindestens einen Meter zu kurz. Deshalb hat Jockel schon 1984 mit dem Selbstbau eines Halb-Tonners begonnen. Dieses Schiff hatte Überlänge- in der Bauzeit.

Erst 1992 lief die „Kreuz-As-Alu“ vom Stapel. Eine 9 Meter-Yacht, die so recht geeignet war, für die nun endlosen Weiten ohne PM 18 usw.  Jährlich wurden die Ziele weiter gesteckt. 1993 Gotland, 1994 Norwegen, 1995 Rund England und 1997 endlich die bisher längste Reise über Schottland, die Orkney-, Shetland- und Faröer- Inseln, Island bis etwa 20 Meilen vor Grönland ein starker Eisgang zur Umkehr zwang. 4700 Meilen in 62 Tagen war die Mannschaft Jörg Lehmann, Uwe Lange und Gerhard (Egon) Gaerisch damals unterwegs.

62 Urlaubstage – das waren zwei Jahresurlaube angespart. Aber für ein Erde-Rund war das zu wenig. Deshalb hat unser Kommodore zum Äußersten gegriffen. Er hat die Rente beantragt und damit hat er die letzte entscheidende und wichtigste Hürde für das vor ihm liegende Unternehmen genommen.

Der Umbau fast des gesamten Riggs, die Aufrüstung der Bordelektronik, eine Kurzwellenfunkanlage, eine Selbststeueranlage, ein Winddynamo, ein Bordcomputer, Rettungsmittel usw. waren selbstverständlich auch noch nötig.

In der letzten Woche sind noch etwa eine Tonne Lebensmittel im Bauch der „Kreuz-As-Alu“ verstaut worden, denn Essen und Trinken hält hoffentlich auch bei unserem Jockel Leib und Seele zusammen.

Wir Daheimgebliebenen können dank der Supertechnik auf  seinem Boot, dank Kiel-Radio und dank Carsten Lipperts Programmierung im Internet  alle Deine Erlebnisse mitverfolgen und sind somit an guten und an schlechten Tagen bei Dir.

Wir als Deine Vereinskameraden möchten Deine Ausrüstung noch ein wenig komplettieren.

1. Mit einer neuen WSV-Flagge, die Du auf allen Weltmeeren zeigen sollst.

2. Mit einer kleinen Liedersammlung, die Du lautstark intonieren solltest, wenn die Sirenen von Tahiti beim vorbeisegeln gar zu hinreissend singen.

3. Mit einer Flasche WSV-Rum, aus der Du Dir eine Extra-Ration genehmigen kannst, wenn mal ein Segelmanöver ganz besonders gut gelungen ist (Da müsste eine Flasche reichen).

Wir wünschen Dir für Dein Vorhaben immer eine Handbreit Abstand von jedem Unrat, der auf den Ozeanen schwimmt und eine gesunde Rückkehr in unseren Heimathafen in Berlin-Karolinenhof.

Wir wollen Dich nun bis Köpenick in einer Geschwaderfahrt begleiten und an der Langen Brücke mit einem kräftigen Goode – Wind – Ahoi in die weite Welt entlassen – und damit es nachher klappt, werden wir es jetzt schon mal proben.

Wir verabschieden unseren Segelkameraden Jörg Lehmann aus seinem Heimathafen mit einem 3 fachen Goode – Wind – Ahoi !

Wilfried Lippert

Sportwart im Namen aller WSVer

 


Mittwoch, 15. August 2001 - Berliner Zeitung - KÖPENICK
Und donnerstags gibt’s Kompott

Jörg Lehmann will mit seinem Schiff "Kreuz As" die Welt umsegeln
Karin Schmidl

Seinen 60. Geburtstag im Dezember will er südlich von Australien feiern. Mitten im Indischen Ozean. Jörg Lehmann wird dann schon vier Monate mit seinem Segelschiff "Kreuz As" unterwegs sein. Lehmann erfüllt sich einen Lebenstraum: Einmal nonstop und allein um die Welt. Am kommenden Sonnabend beginnt der Segeltörn, dann wird Lehmann im Wassersport-Verein 1921 e.V. in Karolinenhof von seiner Frau und den Freunden verabschiedet.

"Wenn ich mal alt bin, will ich schließlich was zu erzählen haben", begründet der Skipper sein abenteuerliches Vorhaben. Seine bisherigen Segeltouren geben offenbar nicht genug her fürs Erzählen: Zu DDR-Zeiten segelte Lehmann im Verein über die Ostsee bis nach Leningrad. Nach dem Mauerfall ging es bis Norwegen und rund um England, und schließlich vor vier Jahren mit zwei Freunden bis kurz vor Grönland. Auf seinen Touren hat sich Lehmann schon mehrere Rippen gebrochen, tagelang saß er bei Sturm angeleint am Ruder. Nun also die Welttour. Neun Monate lang, rund 270 Tage, wird der gelernte Maschinenbauer und frühpensionierte Beamte unterwegs sein. Zwei Jahre lang hat er sich und sein selbst gebautes Aluminium-Schiff auf die große Reise vorbereitet. Lehmann hat wichtige Brocken Englisch gelernt und hundertjährige Wind- und Wetterberichte studiert. "Ich muss genau jetzt losfahren, ehe in Europa die Herbststürme beginnen, auf der Südhalbkugel ist dann Sommer", sagt er. Die "Kreuz As" erhielt ein Kurzwellen-Funkgerät und einen Satelliten-Navigator. Für den Notfall hat Lehmann eine Rettungsinsel mit Seenotfunk an Bord.

Überall auf dem Schiff sind Vorräte. Unter den Sitzbänken stapeln sich Bierbüchsen, Müsli-Tüten und Tee-Pakete sowie Traubenzucker und Vitamintabletten. Unter den Bodenbrettern der Kajüte liegen hunderte Büchsen mit Fertiggerichten und Brot. Auch fünf Flaschen Sekt sind gebunkert: "Bei jedem Kap, das ich umsegele, mache ich eine auf", sagt der Skipper. Für tausend Mark war Lehmann einkaufen - streng nach einer sechsseitigen Liste, auf der er notiert hat, was ein Allein-Segler in neun Monaten braucht. Und das sind nicht nur Konserven. Auch Werkzeug, Toilettenpapier und zehn Tuben Zahnpasta sowie 60 Eier. Die hat er mit Vaseline eingeschmiert, so bleiben sie länger frisch. Aus 30 Kilo Mehl will Lehmann selber Brot backen, in einer Art Back-Topf, den er auf den Petroleum-Kocher stellt.

Zum Waschen angeleint

Immer donnerstags wird Lehmann Kompott essen. Dafür hat er 50 Dosen Obst an Bord genommen. Der Donnerstag ist der Seemanns-Sonntag, an dem er auch schon mal ein Drei-Gänge-Menü (Drei-Topf-Essen, Anm. Casi) bereiten will, wenn das Wetter mitspielt. Denn: "Bei sechs Meter hohen Wellen, brüllendem Wind und schwankendem Mast denkt man an vieles, nur nicht ans Kochen", sagt Lehmann. Vor allem ans Überleben. Das oberste Gebot auf dem Segelschiff lautet: Niemals unangeleint an Deck gehen. Niemals, auch nicht bei wenig Wind. "Es wäre tödlich, wenn man über Bord ginge, denn das Boot fährt ja weiter", sagt Lehmann.

Anleinen wird er sich auch bei der täglichen Köperpflege, die komplett im Meer stattfindet. Seinen Süßwasser-Vorrat von 240 Litern will er dafür nicht anrühren. Auch das Waschen der Kleidung geschieht im Meer. "Die Wäsche wird an eine Leine gebunden und zwei Stunden ins Salzwasser gehängt, dann ist alles sauber."

Angst vor Langeweile hat der bärtige Segler nicht. Schließlich, sagt er, gebe es immer etwas zu reparieren auf einem Schiff. Auf einem Laptop will er regelmäßig seine Erlebnisse ins Internet schreiben oder lesen - Bücher übers Segeln und ein Englisch-Wörterbuch hat er eingepackt. Und manchmal wird Lehmann am Funkgerät sitzen und "einfach nur in die Welt lauschen".

Der Segeltörn im Internet unter www.kreuz-as-segeln.de


15. August 2001 - Berliner Kurier

In 270 Tagen um die ganze Welt - Pankower segelt völlig allein

BERLIN - Unter sich hat Jörg Lehmann knapp 30 Quadratmeter Aluminium-Schiff, über sich 50 Quadratmeter Segelfläche, vor sich 33 000 Seemeilen. Damit will der 58-jährige Pankower ganz allein um die Welt schippern. Sonnabend geht's los!

"Ich erfülle mir meinen größten Traum - in 270 Tagen um die Welt zu segeln", gesteht der Maschinenbau-Ingenieur, der dafür sogar seinen Job als Technik-Leiter beim Autobahnamt aufgab. Seine "Kreuz As Alu" (9,35 m lang, 3,20m breit, 1,70m tief) hat er selbst konstruiert, anschließend in sieben Jahren gebaut.

"Inzwischen stecken mehr als 40 000 Mark drin", gibt der Skipper zu, der mit allen Wassern gewaschen ist. Schon als Knirps segelte er übern Müggelsee, mit 16 kaufte er sich sein eigenes "Pirat"-Boot, war später DDR-Meister in der "Hiddensee"-Klasse. "Doch für 'ne Weltumsegelung braucht man viel mehr", weiß "Jockel" Lehmann.

Er machte seine Funklizenz, wälzte Segel-Lektüre, Wetter-, Wasser-, Landkarten. Zur Generalprobe schipperte er nach Island, umrundete England, kreuzte neun Wochen lang durch meterdicke Eisfelder vor Grönland. "Danach war mein Schiff reparaturreif", sagt der Käpt'n.

Zur Welt-Tour musste Lehmann die "Kreuz-As" noch zusätzlich auftakeln: mit Windgenerator (50 Ampere), Kunststoffsegel, Satelliten-Navigator, Rettungsinsel, Überlebensanzug, Funk- und Selbststeueranlage. "Weil ich nonstop unterwegs bin, habe ich eine Tonne Proviant an Bord", verrät "Jockel". Unter anderem hat er schon 30 Kilo Mehl (zum Brot Backen), 20 Knoblauchknollen, dosenweise Fertiggerichte, 4 Zahnbürsten, 12 Packungen Klopapier gebunkert.

"Nur meine Segelroute steht noch nicht fest, weil die Elbe gerade Niedrigwasser führt", bedauert Lehmann. So könnte er als Ausweg die Oder über Saßnitz nehmen, weiter zum Kap der guten Hoffnung, australische Südküste, zurück über Kap Hoorn, Kanaren, Heimathafen Köpenick...

Sylvia Leese


Interview mit Jockel vom 16.8.2001 vielen Dank an Stadtradio 88.8 (Berlin)


 

3.5.1999 - Lokalanzeiger Südost - Regionale Informationen für Treptow-Köpenick, Oder-Spree und Dahme-Spreewald (Südost)

Bericht zur Grönlandtour 1999

Halsen, Fieren und Reffen will gelernt sein im Köpenicker Wassersport-Verein 1921
von Sabine Flatau

Köpenick. «Der Nordatlantik ist brutal. Bei Windstärke neun und sechs Meter hohen Wellen kann man an Deck fast nichts mehr sehen. 25 Meilen vor der Küste mußten wir umkehren.» Jörg Lehmann hat 41 Jahre Segelpraxis. 1997 war er mit zwei Mitstreitern auf seinem neun Meter langen Seekreuzer «Kreuz-As» nach Grönland unterwegs. Der 57jährige leitet den «Wassersport-Verein 1921 e.V.» (WSV 1921) an der Rohrwallallee 87 - 99 in Köpenick.

Auf 16 000 Quadratmeter erstreckt sich das Grundstück mit Bootshäusern, fünf Stegen und 120 Liegeplätzen, einem Klubhaus und einem Säulendrehkran. Das Segelrevier reicht vom Langen See bis zum Seddinsee. 223 Mitglieder hat der WSV, davon 32 Kinder und Jugendliche.

Regattasport und Fahrtensegeln bestimmen das Vereinsleben. Drei Regatten schreibt der Verein im Jahr aus: um den Einhandpokal der Olympia-Jollen und den «Hugo-Bräuer-Preis» im Mai sowie um das «Blaue Band vom Langen See» im August. Hinzu kommen sechs Vereinswettfahrten von April bis Oktober.

Nicht nur unter Großsegel und Fock begegnen sich die Freizeitsportler. Der Terminkalender des WSV ist das ganze Jahre über gefüllt. Seglerball im Januar, Faschingsfete im März, Tanz in den Mai, Pfingstfrühkonzert, Sommerfest, Weihnachtsfeier und Silvesterball. «Wir kommen gut miteinander aus», beschreibt Lehmann den Umgang im Verein. Geselligkeit werde groß geschrieben, besonders an den Wochenenden.

Die Sportler können auch auf dem Grundstück übernachten. An jedem der Bootshäuser, die aus den 30er Jahren stammen, sind «Kojen» angebaut: Räume, in denen Bett, Schrank und eine kleine Küche Platz haben. «Das haben sich unsere Altvorderen gut ausgedacht. Jede der 120 Kojen ist nur neun Quadratmeter groß. Keiner wird besser untergebracht als der andere», sagt der Vereinsvorsitzende und betont, daß die Seglergemeinschaft als Arbeitersportverein begonnen habe. Dieser Tradition bleibe man treu.

Besonders die Jugendarbeit liegt den Vereinsmitgliedern am Herzen. Das Training wird für alle Altersgruppen von sechs bis 18 Jahren angeboten. Ihnen stellt der Verein auch Boote zur Verfügung: «Optimist», «Cadet», «OK», «Europe» und «420er». Die jungen Segler können auch in der Woche trainieren: Honorartrainer Ingmar Frank (19) zeigt Wende und Halse, Fieren und Reffen. Bei schlechtem Wetter bietet die «Jugendkoje» Zuflucht: eine Baracke mit Schlaf- und Aufenthaltsraum.

Mit Tischtennis, Billard und Dart kann der Nachwuchs die Zeit verbringen, bis die Boote wieder vom Steg ablegen können. «Interessenten sind herzlich willkommen», sagt Manuela Wehle (38), die seit ihrem sechsten Lebensjahr mit dabei ist. Schon ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern gehörten zum Verein, sie ist wie selbstverständlich mit hineingewachsen. Das erste Holzboot, das ihr Vater für sie baute, steht heute noch in einem Schuppen.

Marke Eigenbau ist auch die «Kreuz-As» von Jörg Lehmann. Bei Wind und Wetter, Kälte und Nebel segelte der Diplom-Ingenieur für Maschinenbau über die Ostsee. Vier Wochen dauerte seine Tour rund um England. «Es ist Abenteuerlust, die mich treibt», bekennt er. «Ich teste beim Segeln meine Kräfte und weiß, was ich drauf habe und machen kann». Über Bord gegangen ist der Seebär noch nie, auch nicht bei Windstärke neun auf dem Atlantik. «Die Sorgleine ist immer mit an Bord», lautet seine Devise.